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Kein rotes Signal gegen Übergewicht

Der Nährwert von verpackten Lebensmitteln wird in der EU künftig nicht durch die Ampelfarben deutlich gemacht.

Die Abgeordneten des Europaparlaments beschlossen am 16. Juni in Straßburg das Aus für die sogenannte Ampelkennzeichnung. Mit großer Mehrheit stimmten die Parlamentarier gegen den Vorschlag von Linken und Grünen für eine EU-Verordnung. Zwar sollen auf Fertiggerichten, Schokoriegeln oder Limonaden der Gehalt an Fetten, Zucker und Salz deutlicher gekennzeichnet werden, aber die Markierung wird farblos bleiben. Die Informationen sollen gut lesbar vorne auf der Packung stehen und die   Energie- und Nährstoffmenge soll pro 100 Gramm deklariert werden. Die Lebensmittelindustrie möchte allerdings die Nährwerte lieber in Portionsgrößen oder auf der Grundlage des durchschnittlichen Tagesbedarfs angeben. Die Bezugsgröße dafür ist der Energiebedarf einer erwachsenen Frau von 2.000 Kalorien.

Das kritisieren Verbraucherverbände und Kinderärzte. Obwohl die Vorzüge der Ampelkennzeichnung gegenüber anderen Systemen durch wissenschaftliche Studien belegt worden seien und die meisten Verbraucher die Ampel wollten, hätten sich die Parlamentarier unter dem Einfluss der Industrielobby gegen die Ampel entschieden, hieß es bei Foodwatch. Es bleibe das Geheimnis der Politik, wie sie das gesellschaftliche Problem Übergewicht in den Griff bekommen wolle. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Berlin bedauerte, dass ein "kinderleichtes" System nun nicht komme.

Den Befürwortern der Ampel - so auch der europäischen Verbraucherorganisation BEUC gilt das System als klarste und einfachste Verbraucherinformation, die Gegner bezeichnen es jedoch als wissenschaftlich nicht haltbar. Der Gesetzesvorschlag muss nun noch im EU-Ministerrat abgestimmt werden. Dort bevorzugt die Mehrheit der Länder, darunter Deutschland, die Nährwertangaben auf der Basis des Tagesbedarfs, pro 100 Gramm oder pro Portion. Mit der endgültigen europaweiten Verordnung ist vermutlich erst Mitte des kommenden Jahres zu rechnen. [mbu]

PM Europäisches Parlament
Europäische Verbraucherorganisation
Foodwatch
Kinderärzteverband