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WHO-Studie: Lärm zweitgrößtes Gesundheitsrisiko

Nach Luftverschmutzung stellt Verkehrslärm das zweitgrößte Gesundheitsrisiko dar - mit schwerwiegenden Folgen wie Herzinfarkten und anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Schlafstörungen und Stress. Das ist das Ergebnis einer Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO. Umweltverbände fordern strengere Lärmgrenzwerte. 

"Lärmbelastung ist nicht nur ein ärgerliches Umweltproblem, sondern eine echte Bedrohung für die öffentliche Gesundheit", sagte Zsuzsanna Jakab, die Leiterin der Europa-Abteilung der WHO. Sie drückte ihre Hoffnung aus, dass die vorgelegten Zahlen lokale und nationale Behörden zur Einführung einer strengeren Lärmpolitik bewegen. Jede(r) dritte BürgerIn fühle sich tagsüber durch Lärm gestresst, jede(r) fünfte habe wegen des Lärms durch Straßen, Eisenbahnen und Flugverkehr Schlafstörungen.

Umweltverbände wie das Europäische Umweltbüro (EEB), die verkehrskritische Organisation Transport & Environment (T&E) und der Verkehrsclub Deutschland (VCD) forderten strengere Lärmgrenzwerte. Die EU-Kommission habe bei der Neuauflage der Richtlinie zu Fahrzeuglärmemissionen [1], die bis Juni überarbeitet werden soll, die Gelegenheit, die Gefahren durch Verkehrslärm erheblich zu vermindern. Der VCD-Verkehrsreferent Michael Müller-Görnert sagte: „Was wir nun endlich brauchen, sind strengere Lärmstandards für Fahrzeuge. Die EU-Kommission darf die Chance, den Straßenverkehrslärm mindestens zu halbieren nicht verstreichen lassen. Die neue Richtlinie muss wirksame Lärmgrenzwerte für Autos, Lieferwagen, Lastwagen und Busse setzen." Auch bei der vorgeschriebenen Erstellung von Lärmkarten seien die Mitgliedstaaten der EU lange nicht soweit, wie die zugehörige Richtlinie [2] vorsieht, kritisierte das EEB.

Der Studie zufolge sind 1,8 Prozent der Herzinfarkte in wirtschaftlich starken europäischen Ländern auf Verkehrslärm zurückzuführen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen seien die häufigste Todesursache in der EU und belasteten das Gesundheitsbudget mit etwa 40 Prozent. Eine 2008 erschienene Studie von T&E zeigte, dass Schienen- und Straßenlärm europaweit jedes Jahr für 50.000 tödlich verlaufende Herzinfarkte und 200.000 Fälle von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortlich sind.

Die WHO-Studie berechnet die Zahlen mit dem sogenannten DALY-Konzept, das die durch Krankheit beeinträchtigten Lebensjahre (in disability-adjusted life years - DALY) im Vergleich zur durchschnittlichen Lebenswartung der rund 345 Millionen EU-BürgerInnen hochrechnet. Demnach liegt die Gesamtsumme von "verlorenen gesunden Jahren" in der EU bei mindestens einer Millionen pro Jahr.

  • 61.000 gesunde Lebensjahre gehen den EU-BürgerInnen im Durchschnitt pro Jahr verloren, weil sie an sogenannten ischämischen oder koronaren Herzerkrankungen wie Herzinfarkt, Angina pectoris, Herzinsuffizienz oder Herzrhythmusstörungen leiden.
  • 45.000 gesunde Lebensjahre von europäischen Kindern gehen verloren, weil sie kognitive Störungen haben.
  • 903.000 Lebensjahre pro Jahr sind beeinträchtigt durch Schlafstörungen (bei StadtbewohnerInnen in Städten mit mehr als 50.000 Einwohnern).
  • 22.000 Lebensjahre leiden Menschen in Europa an Tinnitus statt sich gesund zu fühlen.
  • 587.000 gesunde Lebensjahre gehen den EU-BürgerInnen im Jahr verloren, weil sie gestresst sind. [jg]

[1] Richtlinie 70/157/EWG des Rates vom 6. Februar 1970 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über den zulässigen Geräuschpegel und die Auspuffvorrichtung von Kraftfahrzeugen

[2] Richtlinie 2002/49/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. Juni 2002 über die Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm - Erklärung der Kommission im Vermittlungsausschuss zur Richtlinie über die Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm

WHO-Studie "Burden of desease from environmental noise. Quanitfication of healthy life years lost in Europe."
Pressemitteilung der WHO zu Thema

T&E, Nina Renshaw, Brüssel, Tel. +32 (0)498 / 540765, E-Mail:  Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.   (Pressemitteilung)

EEB, Louise Duprez, Brüssel, Tel. +32 (0)2 / 2891307, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. , www.eeb.org

VCD, Michael Müller-Görnert, Berlin, Tel. +49 (0)30 / 28035112, www.vcd.org