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18.05.2009: Journalistenworkshop: Europa und Umwelt

Am 18. Mai, drei Wochen vor den Wahlen zum Europaparlament, veranstaltet der Deutsche Naturschutzring in Kooperation mit dem Europäischen Haus einen Journalistenworkshop in Berlin.

Europa und Umwelt - Ein ökologischer Fahrplan 2009-2014

Journalistenworkshop
18. Mai 2009
9.30 bis ca. 14.30 Uhr
Europäisches Haus, Unter den Linden 78, 10117 Berlin

Jede Menge Gespenster gehen um in Europa - das Artensterben, der Klimawandel, zunehmende Agrarsteppen und neue Atomkraftwerke. Derartige Spukgestalten gründlich unter die Lupe zu nehmen, ist das Anliegen der Umwelt- und Naturschutzverbände - und vieler MedienvertreterInnen.

Doch die europäische Gesetzgebung zu den Themen Energie und Klima, Verkehr, Agrarpolitik, Biodiversität und Naturschutz ist nicht leicht zu durchschauen. Drei Wochen vor den Wahlen zum EU-Parlament lädt der Deutsche Naturschutzring (DNR) in Kooperation mit dem Informationsbüro des Europäischen Parlaments in Berlin zu einem Journalistenworkshop ein, um Licht ins Dunkel zu bringen. Am Ende des Tages sollen Sie ein funktionstüchtiges "Ghostbuster-Wissen" über die wichtigsten Themen im Umweltbereich parat haben. Das kostenlose Seminar richtet sich an EU- und umweltinteressierte JournalistInnen aus Presse, Funk und Fernsehen, von Online-Medien und Fachzeitschriften.

ReferentInnen:

  • Jens Pottharst, Presseattaché des Europäischen Parlaments/ Informationsbüro für Deutschland
  • Constanze Beckerhoff, Pressesprecherin Umweltausschuss im EU-Parlament, Brüssel
  • Leif Miller, DNR-Vizepräsident und NABU-Bundesgeschäftsführer
  • Dr. Helmut Röscheisen, DNR Generalsekretär
  • Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch
  • Kerstin Meyer, Fachreferentin Transport & Environment, Brüssel
  • Claus Mayr, Direktor Europapolitik des NABU, Brüssel
  • Reinhild Benning, BUND-Agrarexpertin
  • Kay Walter, Journalist und Medienberater


Programm und Anmeldung


Nachlese - Kurzbericht über den Workshop und Materialien

Europa und Umwelt - Medienworkshop in Berlin
Rund 20 TeilnehmerInnen hatten sich zum Journalistenworkshop "Europa und Umwelt - ein ökologischer Fahrplan 2009-2014" am 18. Mai in Berlin angemeldet. Drei Wochen vor den Europawahlen am ersten Junisonntag hatte der Deutsche Naturschutzring in Kooperation mit dem Europäischen Haus zu der halbtägigen Veranstaltung eingeladen.

Jens Pottharst - der zuständige Presseattaché des Europäischen Parlaments (EP) in Deutschland - und seine Brüsseler Kollegin Constanze Beckerhoff, die dort Medienreferentin für den EP-Umweltausschuss ist, führten in die Grundlagen ein. Rund 300 Gesetzesverfahren schiebt das EP im Jahr an - und da "die EU eine politische Veranstaltung ist", könne es sich die Kommission nicht leisten, Initiativen der EU-ParlamentarierInnen einfach zu ignorieren, sagte Pottharst. Neben Fachlichem wurde besonders über die Frage, wie transparent die Vorgänge im Parlament wirklich sind, lebhaft debattiert. Und dass es wichtig ist, den EU-Institutionen insgesamt auf die Finger zu schauen, stellten auch die ReferentInnen aus Umweltverbänden in ihren Vorträgen fest. Der DNR-Generalsekretär Dr. Helmut Röscheisen präsentierte das Wahlmemorandum der Umweltverbände. Darin wird unter anderem gefordert, die Mittel in der EU umweltfreundlich auszugeben.

Christoph Bals von Germanwatch sagte, dass massive Investitionen in erneuerbare Energien und Energieeffizienz sowie das Stromnetz bei der Bekämpfung der "vier großen Krisen" in Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und der Welternährung entscheidend seien. Die Rolle der EU bei den internationalen Klimaverhandlungen ist jedoch, was finanzielle Zusagen angeht, eher bremsend. Kerstin Meyer von dem Brüsseler Verkehrsverband Transport & Environment stellte die Forderungen der Umweltverbände für die nächsten fünf Jahre in der Verkehrspolitik vor. Sie kritisierte, dass durch die EU-Politik die Verkehrsemissionen weiterhin ungebremst anstiegen: zwischen 1990 und 2006 um rund 35 Prozent.

Claus Mayr (NABU) betonte, dass neben durchaus erfreulichen Entwicklungen beim Vogel- und Gewässerschutz und dem Natura-2000-Netzwerk, der Boden das einzige Umweltmedium ist, für das keine EU-weiten Schutzregelungen vereinbart seien. Unter anderem, weil Deutschland etwaige Vorstöße der EU-Kommission im Ministerrat massiv behindert. Reinhild Benning vom BUND demonstrierte anschaulich, wie EU-Gelder für "Wettbewerbsfähigkeit" durch umweltfeindliche Subventionen industrielle Strukturen in der Landwirtschaft beförderten. Das eigentliche Ziel, Ernährungssicherheit in Europa zu erreichen, werde verfehlt. Durch Sojaimporte habe die EU eine Mitschuld am Regenwaldverlust in anderen Ländern, zerstöre den dortigen Markt und das, um hier Überschüsse bei Schweinefleisch, Geflügel und Milch zu produzieren.

Der freie Journalist und Medienberater Kay Walter verwies darauf, dass der Brüsseler Dschungel letztlich gar nicht so undurchschaubar ist, wie meist gedacht. Es helfe, vor Ort zu sein, mehrere Sprachen zu verstehen und zu sprechen sowie gute Netzwerke zu haben. Gute Recherchen seien in Brüssel oder Straßburg ebenso aufwendig wie anderswo. Doch letztlich säßen die Verantwortlichen in den nationalen Regierungen, also gleich nebenan. Nichtsdestotrotz hätten EU-Parlamentsabgeordnete weit mehr Einfluss als ihre Kollegen im Bundestag - ein weiterer guter Grund, sie direkt anzusprechen. [jg]

Vortrag Christoph Bals (Germanwatch) Klima und Energie
Vortrag Kerstin Meyer (Transport & Environment) Verkehr
Vortrag Reinhild Benning (BUND) Landwirtschaft

Wahlmemorandum zu den Europawahlen
Forderungen NABU zu den Europawahlen

EU-Recherchetipps: Wo finde ich was? Navigationshilfe durch den digitalen Brüsseler Dschungel ("grün gefärbt")
Vortrag Kay Walter: Der journalistische Alltag in Brüssel - Recherchieren in Brüssel